Jährlich werden in Österreich über 50 Erdbeben wahrgenommen, also praktisch jede Woche eines, wobei die Zahl der „nur“ für Messgeräte wahrnehmbaren Erdbeben derzeit mehr als 1.000 pro Jahr beträgt. Trotzdem schätzen 98 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher Erdbeben als „nicht relevante Gefahr“ ein. Allerdings führen Erdbeben auch in Österreich alle zwei bis drei Jahre zu durchaus relevanten Schäden an Gebäuden. Eine flächendeckende Versicherungslösung gegen Erdbeben fehlt.
Wenn in Österreich die Erde bebt
Die Schlagzeilen der letzten Tage und Wochen zeigen erneut auf, dass auch in Österreich das Erdbebenrisiko regional ein hohes ist. Auch können starke Beben in Italien und auf dem Balkan in Österreich Schäden verursachen. Alle zwei bis drei Jahre führen Erdbeben in Österreich zu Gebäudeschäden.
Das stärkste Erdbeben der letzten Jahrzehnte ereignete sich am 16. April 1972 in Seebenstein/ Niederösterreich mit einer Stärke von 5,4. Dieses Beben verursachte erhebliche Schäden an Gebäuden und Infrastruktur. Im Mai 1976 ereignete sich in Friaul ein schweres Erdbeben mit einer Stärke von 6,5 – das Beben wurde in fast ganz Österreich verspürt und führte ebenfalls zu erheblichen Gebäudeschäden in den südlichen Regionen Österreichs.

Können in Österreich überall Erdbeben auftreten?
Unter Erdbebengefährdung wird, rein geologisch, die Wahrscheinlichkeit des Überschreitens einer durch ein Erdbeben hervorgerufenen Bodenbeschleunigung innerhalb eines vorgegebenen Zeitraums verstanden. Zu den seismotektonisch aktiven Störungszonen in Österreich zählen vor allem das Wiener Becken, die Mur-Mürztal-Störung – die zur Bildung des Wiener Beckens beiträgt – sowie die Inntal- und Lavanttal-Störung. Die Herdtiefe der meisten Erdbeben beträgt etwa sieben bis acht Kilometer. Erdbeben geringerer Herdtiefe [1-4 km] ereignen sich hauptsächlich im Raum Pregarten/ Oberösterreich.
Rund 23 Prozent der Gebäude in Österreich sind grundsätzlich erdbebengefährdet. Die betroffenen Bauten sind größtenteils vor 1945 erbaut worden, also zu einer Zeit, in der es noch keine entsprechenden baulichen Vorgaben gab. Umso wichtiger ist es deshalb, auf einen guten Bauzustand eines Gebäudes zu achten bzw. wenn nötig auch eine Bauwerksverstärkung vorzunehmen.
Digitale Gefahrenlandkarte für ganz Österreich
„Die digitale Gefahrenlandkarte HORA [www.hora.gv.at] kann wichtige Informationen über eine mögliche Gefährdung des eigenen Hauses oder Grundstücks liefern. Diese Plattform ermöglicht de facto jeder und jedem, Auskunft über die Risikosituation eines beliebigen Ortes in Österreich zu bekommen“, erläutert Mag. Christian Eltner, Generalsekretär des österreichischen Versicherungsverbandes VVO.
Eine wichtige Aufgabe des nationalen Erdbebendienstes der Zentralanstalt für Meteoro-
logie und Geodynamik [ZAMG] ist der Betrieb von Erdbebenbeobachtungsstationen. Die
seismischen Stationen werden zur Untersuchung von Erdbeben des alpinen Bereichs sowie weltweiter Erdbeben, als auch zur Feststellung induzierter Erdbeben [Atomtests, Bergbau, etc.]
genutzt.
„Eine für Versicherungskunden umfassende Versicherungslösung für Erdbeben gibt es in Österreich zur Zeit nicht“, betont Mag. Klaus Scheitegel, Vizepräsident des österreichischen Versicherungsverbandes VVO. „Wir benötigen für eine österreichweite Versicherbarkeit dieser Naturgefahr gesetzliche Rahmenbedingungen, die es ermöglichen, den Versicherungsschutz flächendeckend zur Verfügung stellen zu können. Leider konnten wir hier seitens der Politik noch keine Unterstützung für NatKat-Lösungen erreichen“. Im Fall eines schweren Erdbebens wären jedoch Milliarden-Euro Schäden zu erwarten, so Mag. Scheitegel.
Erdbeben sind mit ihrem Zerstörungspotential eine der gefährlichsten Naturkatastrophen der Erde.
Einige Sicherheitstipps für den Ernstfall
Während eines Erdbebens
- Im Haus weilende Personen sollen die schon früher ausgewählten Plätze [unter einem Türstock oder stabilen Tisch] aufsuchen und das Ende des Erdbebens abwarten. Die Nähe von Fenstern meiden. Nicht ins Freie laufen.
- Im Freien befindliche Personen sollen dort bleiben und einen Sicherheitsabstand zu Gebäuden und elektrischen Freileitungen einhalten, um nicht durch herabfallende Bauteile, wie Dachziegel, Schornsteine, Balustraden oder Leitungen gefährdet zu werden. Unter Sicherheitsabstand ist normalerweise fünf Meter zu verstehen. In engen Straßen, wie sie zum Beispiel in Stadtzentren vorkommen, am besten den nächsten Hauseingang oder die nächste Hauseinfahrt aufsuchen.
Nach einem starken Erdbeben
- Im Haus Bauschäden überprüfen. Offene Feuer [Kamin, Kerzen etc.] löschen, den elektrischen Strom mit dem Hauptschalter ausschalten und die Haupthähne von Gas und Wasser schließen. Bei Einsturzgefahr das Haus mit Notgepäck umgehend verlassen.
- Bei Schäden am Gebäude, insbesondere Kamin: Häuser und Wohnungen erst wieder betreten, wenn diese von Fachleuten als sicher bezeichnet wurden.
- Draußen Sicherheitsabstand zu Gebäuden einhalten, weil Nachbeben weitere Schäden verursachen können und Gebäudeteile herabstürzen können.
- Radio einschalten und Instruktionen über das weitere Verhalten abwarten.
Erdbeben in Österreich – Wirkung und Präventionstipps
In diesem kurzen Video sehen sie wichtige Informationen zum Thema Erdbeben in Österreich.
Service
Einen umfangreichen Informationsfolder inkl. zahlreicher praktischer Tipps rund um das Thema „Erdbeben in Österreich“ können sie HIER als Pdf downloaden.
(Bilder: AdobeStock; Video: Youtube.com)